DEMETER - Nein Danke !

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach 9 Jahren Mitgliedschaft im DEMETER-Anbauverband haben wir uns entschieden, diesen Verband zu verlassen, da nach unseren gemachten Erfahrungen das Anliegen der Vereinsführung nicht mehr in der Förderung der biodynamischen Landbewirtschaftung kleiner und traditionell wirtschaftender Landwirte und Gärtner besteht, sondern eher großbetriebliche Strukturen gewünscht sind, welche den wachsenden Markt (mit allen negativen Begleiterscheinugen) bedienen sollen.

Wir haben uns dazu bereits 2019 mit einem offenen Brief an den DEMETER-Vorstand und Aufsichtsrat gewandt sowie einen weiteren Leserbrief an die DEMETER-Verbandszeitschrift "Lebendige Erde" geschickt, der zumindest auszugsweise veröffentlicht wurde.

Leider gab es weder vom DEMETER-Gesamtvorstand, noch vom Vorstand unserer Landesarbeitsgemeinschaft irgendeine Reaktion auf unsere Anliegen, sodass wir davon ausgehen, dass eine konstruktive kritische Mitarbeit nicht willkommen ist.

Wir haben uns daher entschlossen, den DEMETER-Verband zu verlassen und mit weiteren Landwirtschafts- und Gärtner-KollegInnen eine eigene "Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des biologisch-dynanischen Landbaues Berlin/Brandenburg" zu gründen,

um weiter an diesen wichtigen Themen zu arbeiten.

Zur Information fügen wir unsere o.g. Schreiben und unsere Kündigung hier an, um allen Interessierten Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung zu geben.

 

 

                                                                            

DEMETER e.V.                                                                          06.12.2019

Vorstand und Aufsichtsrat

Brandschneise 1

64295 Darmstadt

 

Offener Brief an den Vorstand

 

Lieber Dr. Alexander Gerber, lieber Johannes Kamps-Bender,

 

„DEMETER“ hat einen Namen und ein Image zu verlieren, den/das es seit fast 100 Jahren hat. Vielleicht sollten wir uns wieder auf die bewusst gewählte Namensgeberin unseres Anbauverbandes besinnen, auf die griechische Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, die Göttin des Wandels, des Eingebundenseins in den ewigen Kreislauf von „Stirb‘ und Werde“, der das Maß alles Lebendigen ist – auch in dem Selbstbetrug einer Wachstumsgesellschaft.

 

Die neue Werbekampagne „You will grow“, die sich ganz den Vermarktungsstrategien des Turbokapitalismus anbiedert, wird schlimmstenfalls dazu führen, dass „DEMETER“ sich einreiht in die endlose Folge von Produkten, die Sinnhaftigkeit und Weltbezug vermarkten, weil die Menschen sich so sehr danach sehnen und glauben, diese Sehnsucht mit Konsum stillen zu können.

 

Die mit Worten wie: wild, natürlich, regional, kontrolliert, integrativ, artgerecht, naturbelassen… agierende Lebensmittelindustrie, die die Supermarktketten beliefert – nun auch mit DEMETER-produkten - weiß, um immer höherer Profite willen, die tiefe Sehnsucht nach Verwurzelung und Verbundenheit  zu missbrauchen. Dabei wissen wir: „Eine echte Wertigkeit von Lebensmitteln widerspricht den Grundlagen des Discounts.“(Ursula Hudson, slow food Deutschland)

 

Die o.g. „Worthülsen“ werden nun bereichert  mit dem Verkauf von Liebe, Hingabe, Mut, Würde, Wahrheit und Freude – alles menschliche Potenziale, die bisher als unverkäuflich galten. Was bedeutet diese Aufzählung menschlicher Tugenden auf z.B. einer Banane?  Berichtet sie von den Bauern, die sich mit dem Land verbunden fühlen und mit täglicher Arbeit um ihre Existenz ringen müssen in diesem Vermarktungssystem, das ihnen kaum erlaubt, diese Tugenden bewusst und in Freiheit zu leben? Oder suggerieren sie dem Kunden, dass sie mit dem Kauf dieser Banane in einem alchemistischen Prozess der Verwandlung mutiger und glücklicher werden? Wie sehr ähnelt dieses Werbeversprechen denen der Chemie- und Pharmaindustrie.

 

In Zeiten der Entwurzelung und Vereinzelung von Millionen Menschen ist es kühn, wieder den Einzelnen in seiner alleinigen Verantwortung für sein Schicksal und Wohlbefinden anzusprechen, statt das „Wir“, die Eingebundenheit  in ein gemeinsames Weltbild anzubieten. Welch‘ ungeheure Kraft würde so ein „Wir“ entfalten, einladend und nicht isolierend, gegen die Anderen, die es immer noch nicht begriffen haben oder es sich schlichtweg finanziell nicht leisten können, ausreichend und gesund zu essen auf diesem Planeten und das ist die überwältigende Mehrheit der Menschen – wir essen alle von fremden Tellern.

 

Das „Du“ in diesem Werbeslogan ist nicht das „Du“ Martin Bubers, das den Menschen erst durch das „Du“-sagen zum Menschen werden lässt und den ganzen Menschen in seinem schöpferischen und mehr als menschlichen Wesenskern meint, der angesprochen wird durch die Schöpfung, die höher ist als alle Vernunft. Dieses “Du“ ist der reiche und mittelständige, intellektuelle Kunde, der sich schon immer zugutehält, dass er „Bio“ kauft und mit dem Heiligenschein eines quasi Geheimwissens mir auch heute schon leise zuflüstert, dass DEMETER ja die beste Biomarke ist. Was übrigens zu beweisen wäre. Welch‘ kühne Selbstbehauptung – auch DEMETER-Betriebe wachsen und sind gerade hier im Osten teilweise weit entfernt von kleinbäuerlichen Kreislaufstrukturen (die bis heute zu 75% die Welt ernähren und das Modell der Zukunft bleiben, u.a. im Weltagrarbericht der FAO von 2013 nachzulesen) – bei Betriebsgrößen von tw. über 1.000 ha gibt es keinen Bauern mehr, der sein Land noch persönlich kennt und mit „Du“ ansprechen kann und die biodynamischen Präparate werden nicht mehr in einer bewussten geistigen Haltung selber gerührt, sondern von Fremdfirmen in Lohnarbeit mit schwerer Technik aufs Feld gebracht. Wie stark ist da noch der geistige Bezug zum Land. Wieviel Demut und Ehrfurcht vor der lebendigen Welt ist da noch lebbar? Und mit welchen Ritualen ehren wir die Erde und danken für die Ernten, die sie uns schenkt?

 

Der Werbeslogan „You will grow“ zielt auf einen wachsenden Biomarkt, den wir schon jetzt nicht mehr mit ausreichend Lebensmitteln versorgen können (Deutschland importiert 60% seiner Lebensmittel) – ich wiederhole mich – wir essen schon langen von fremden Tellern. Und die Tendenz ist steigend, wenn die Nachfrage steigt. Welche Landwirte sollen diese Lebensmittel erzeugen – die, die sich danach sehnen, endlich wieder bäuerlich im gesunden Kreislauf von „stirb‘ und werde“ in den Rhythmen des Jahres und im Einklang mit den Selbstregulationsprozessen der Natur, eingebunden in die menschliche und nichtmenschliche Welt und in die Rhythmen des Kosmos, gesegnet und segnend mit den geistigen Kräften zu leben und zu arbeiten? Oder die, die unter dem Druck des Wirtschaftssystems immer mehr Abstriche machen müssen, um überleben zu können? Auch in diesem Zusammenhang ist es äußerst heikel, mit dem Verb „wachsen“ zu jonglieren, zumal die meisten „Verbraucher“ nicht über die Doppelbedeutung des englischen Wortes „grow“ nachdenken werden. Der Trend, Demeter – Möhren  und – Äpfel in Plastiktüten verpackt dann doch nicht zu kaufen und lieber die regionalen unverpackten ist jetzt schon in den Supermärkten deutlich, die neue Kampagne wird diesen Trend verstärken.

 

In einer Welt des absoluten Beziehungsschwundes kann es nicht um das individuelle Wachstum durch Konsum gehen. So wie das Wort „human“ und „Humus“ aus der gleichen Wortfamilie stammt, gibt es einen tiefen Zusammenhang zwischen unserer Menschlichkeit und unserem Umgang mit der Erde, dem lebendigen Boden, dem tiefsten Grund, dem Urgrund all unserer Existenz (Gedanken von Hildegard Kurt). Das Wort der Zukunft ist „Wir“ und „Verbundenheit“. In einer Warenwelt, in der Menschen in ökonomischen Begrifflichkeiten als Erzeuger, Hersteller, Verbraucher klassifiziert werden, kann auch eine Werbekampagne, die genau dieses Denken bedient, keine Brücke schlagen.

 

Ich fordere Sie hiermit auf: Stoppen Sie diese Kampagne!

 

Das sicher ehrlich gemeinte Angebot der Mitwirkung an uns Landwirte und GärtnerInnen, die die Basis des Anbauverbandes bilden, sollte vom Kopf auf die Füße gestellt werden – wenn die Basis den Bedarf einer neuen Werbekampagne erkennt, dann kann sie den  Vorstand um Mitarbeit bitten!     Wir leben und arbeiten mit der Erde. Unsere zeitlichen Abläufe richten sich nach den Rhythmen des Jahres und des Landes – naturgemäß haben wir von Februar bis Oktober keine Zeit, uns mit Kampagnen zu beschäftigen – das ist kein Desinteresse und Unfähigkeit, sondern der natürliche Lauf der Dinge. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an das Diskussionspapier von Michael Brodda, Sylvia Mattauch und Stephan Holzhaus vom Januar 2019 zur Vermarktungsstrategie.

 

In Anbetracht natürlicher Rhythmen und der Weisheit, die auch Rudolf Steiner teilte, dass Prozesse und Entscheidungen Zeit zum Wachsen brauchen und 7 mal überdacht werden sollten, wären mehrere Jahre ein angemessener Zeitraum, um von der Basis her eine neue  Vermarktungsstrategie zu erarbeiten, falls diese überhaupt gebraucht wird. Sehr sympathisch, subversiv und beispielgebend hat sich DEMETER seinen guten Ruf mit einem Logo erarbeitet, das nur eine Selbstaussage transportiert – biodynamisch seit 1924 – die Qualität der Produkte hat alleine für sich gesprochen ohne jedes reißerische Werbeversprechen. Dabei sollten wir bleiben.

 

Aus Demut und Respekt vor den Menschen, die auf dem Land leben und arbeiten und die auf dem Land bleiben wollen - und die das Land nutzen, pflegen und ehren wollen - es sind nur noch 1,6 % der Bevölkerung  - bitte ich Sie um eine Veränderung Ihrer Weltwahrnehmung !

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Christina Wolff, Kreuterey

 

 

 

Leserbrief an "Lebendige Erde"                 03.06.2020                                                        

Kain, wohin gehst Du?

 

In welche Richtung entwickeln wir uns? Stehen wir vor einem Wendepunkt oder an einem Scheideweg?

 

Jede revolutionäre Idee, die vermarktet wird, verliert ihr revolutionäres Potential. Das zeigt die Geschichte des Waren- und Marken- kreierenden, ausspeienden und wieder verschlingenden  turbokapitalitischen Ungeheuers, ein Leviathan biblischen Ausmaßes. Auch Jahrhundertmarken geraten dabei zu einem kurzfristigen Euphemismus, zu viele Jahrhundertereignisse werden permanent in den Medien kreiert und gehorchen demselben leviathanischen Modell.

 

Ich möchte beispielhaft für diese Feststellung einen Prozess beschreiben, der aktuell die Mitglieder der LAG Ostdeutschland umtreibt und uns zwingt, Grundlegendes in der biodynamischen Arbeit und auch umfassender, in unserem Gesellschaftsverständnis zu bedenken und wieder in Frage zu stellen.

 

Die Hofgut Eichigt GmbH – eine ehemalige Agrargenossenschaft im sächsischen Vogtland (ehemalige Agrofarm 2000), Tochter einer Agrarholding und seit 2015 Teil der Dennree – Gruppe, seit 2018 bei Bioland,  stellt in der Person ihres Besitzers, Thomas Greim, einen Antrag auf Mitgliedschaft, der, nach initiierter Umstellungsberatung durch den Vorstand, bei der kommenden Mitgliederversammlung nur noch wohlwollend abgestimmt werden sollte, wie es  das bisherige übliche Prozedere nahelegt, das fast nur noch eine Formalität zu sein scheint. Die Mitglieder erfahren davon  eher beiläufig im Dezember – Rundbrief und in einer Rundmail, in der sich Thomas Greim persönlich vorstellt - nichts scheint gegen ihn zu sprechen, er ist nach eigener Erklärung seit frühester Jugend ein Demeter – Urgestein und der biodynamischen Bewegung seit 5 Jahrzehnten herzlich verbunden.

 

Hofgut Eichigt GmbH wird schon jetzt wie ein formales Mitglied zu allen Veranstaltungen, Monatstreffen etc. eingeladen, es gibt kaum Gesprächsräume, um sich jenseits der Vorstandsvorentscheidung, über die Dimensionen und das Veränderungspotential klar zu werden, das die Aufnahme eines Betriebes dieser Größenordnung bedeutet:  4.000 ha Land, 1.500 Milchkühe (mit Nachzucht 3.000), der Besitzer des Ganzen ist der größte Biogroßhändler im deutschsprachigen Raum und nach eigener Aussage Händler mit Leib und Seele, auch der Geschäftsführer ist  kein Landwirt, sondern Kaufmann . Die Millionen, die u.a. für den Kauf des Hofgutes nötig waren, stammen aus dem jährlichen Umsatz von mehr als 1 Milliarde € von Dennree, bei  jährlichen Zuwachsraten von 10 Prozent, sie stammen nicht aus der Landwirtschaft, sondern sind Geld, dass man AN der BIO -Land-wirtschaft, AN den Bauern verdienen kann. Die alljährlich zusätzlichen   10 Millionen Liter Demeter – Milch, mit denen man zukünftig rechnet, wird der Markt locker aufnehmen, Konkurrenzen mit den vielen kleinbäuerlichen Betrieben in der LAG schließt man im Gespräch beim Hofbesuch im  Februar großzügig aus, zumal die großen Betriebe in der LAG,  mit 800 – 1500 ha, offenbar bereits  im Vorfeld ihre Marktanteile mit Thomas Greim verhandelt haben,  bevor wir „Kleinen“ bei der Wintertagung im Januar begriffen haben, was sich gerade abspielt.

 

Das ist, in Kürze, die Lage – es gibt inzwischen in der LAG mehrere Papiere, die Fakten, Ansichten, grundlegende Gedanken und Bedenken darstellen – klar ist, dass sich – passend zur „You will grow“ – Werbekampagne, die, obwohl wegen vieler Proteste erstmal gestoppt, trotzdem weiter in der „Lebendigen Erde“ erscheint – in der biodynamischen Bewegung in den letzten Jahren  Grundsätzliches verändert hat, das gesellschaftliche, politische  Entwicklungen unterstützt und beflügelt werden, die aus meiner Sicht völlig konträr sind zu dem, was die Welt braucht, wenn wir bleiben wollen (in Anlehnung an Ernst von Weizäcker). Das weit verbreitete Missverständnis, sich als biodynamische Bewegung nicht als politisch wirksame Kraft wahrzunehmen, könnte wiederholt dazu führen, die falschen gesellschaftlichen Entwicklungen zu unterstützen, auch aus Macht- und Profitgier.

 

Die Aussage des Biogroßhändlers Thomas Greim,  dass „XX L – Bio“ die Zukunft der Landwirtschaft ist, denn Bio muss groß sein, wenn wir in den nächsten 200 Jahren die Menschheit ernähren wollen (ein Hauptargument der konventionellen industriellen Landwirtschaft, ungeachtet  der Fakten des Welternährungsberichtes, dass 75 % der Welternährung aus kleinbäuerlichen Strukturen kommt oder ungeachtet der verheerenden  Energiebilanzen für die Agrarindustrie) und, dass die 200 Landwirtschaftsbetriebe, die im letzten Jahr in Bayern aufgegeben haben, nur Spielerei und Hobbylandwirtschaft betrieben haben, bleibt bei der Hofbesichtigung von den anwesenden Vorstandsmitgliedern und Demeter-Beratern unwidersprochen im Raum stehen und  bringt die „anachronistischen“  Kleinbauern zum Verstummen, die noch den Schock des 66 Kühe fassenden  Melkkarussells voller kotverschmierter, zumeist hornloser Kühe mit z.T. verletzten Schwänzen, verarbeiten müssen, die nach nur 3 Laktationsperioden  im Schlachthof enden – das heißt im wieder euphemistischen biodynamischen Sprachgebrauch auch nicht industrielle Massentierhaltung, eine Bezeichnung, die wir bei jedem konventionellen Betrieb sofort zur Hand hätten, sondern „konzentrierte“  Tierhaltung, für die es bei  Rindern merkwürdigerweise auch kaum noch Richtlinien im Verband gibt, vielleicht, um den vielen neuen Großbetrieben den Zugang zur Marke zu erleichtern ? Die hofeigene Biogasanlage, in  der permanent Tausende  Liter Gülle verbrannt werden,   soll weiter betrieben werden, obwohl sehr Vieles dagegen spricht, aber auch hierfür gibt es im Verband keine Richtlinien.

 

Für uns gibt es grundsätzliche Fragen zu stellen, die nicht nur unsere LAG betreffen – deshalb finden wir es wichtig, einen bundesweiten Gesprächsprozess zu initiieren,  bevor wir alleine über die weitere Aufnahme industrieller landwirtschaftlicher Betriebe entscheiden, die  alles verändern wird, unsere Lebenskonzepte, Weltbilder, Ideale, Zugehörigkeiten, Identitäten – und das betrifft alle biodynamisch arbeitenden Betriebe, die die Demeter-Marke nutzen.

 

·         Was bedeutet biodynamisches Arbeiten? Reicht es aus, formal korrekt die jeweiligen Präparate entsprechend den Kontrollkriterien, in welcher Form auch immer, gerne auch mit Drohnen, auszubringen und formal korrekt, die jeweiligen Richtlinien bezüglich der Tierhaltung, die immer wieder auch ausgedünnt werden können und des Pflanzenbaus einzuhalten. Werden wir damit dem zentralen Impuls einer geistigen Arbeit mit dem Land in Verbundenheit mit den  kosmischen Rhythmen gerecht, leben wir so in den natürlichen Kreisläufen einer mütterlichen Erde, die wir nicht ausbeuten und vernutzen, deren aufbauenden Prozesse wir behutsam und nachhaltig  nutzen und nicht zerstören, weil wir als Hüterinnen der Erde deren nichtmaterielle Dimensionen  verstanden haben und ehren ?

 

Hat das überhaupt noch etwas mit den Nutzungsrechten für die Demeter-Marke zu tun, um die es ja zunehmend ausschließlich geht?

 

·         Können wir diesen geistigen und seelischen Spagat überhaupt leisten – bei einem Aufnahmeantrag eines Betriebes über  diese verschiedenen Dimensionen abzustimmen – denn es geht immer um die Markennutzung, biodynamisch zu arbeiten steht ja jedem frei, ob Mitglied oder nicht. Hier vermischen sich mindestens 2 Ebenen, die auch strukturell getrennt werden müssen – es ist so, als wenn wir darüber entscheiden sollten mit einem simplen Ja oder Nein, dass der milliardenschwere Geschäftsmann  doch auch ein treusorgender Vater für seine Kinder ist und selbst eine schwere Kindheit hatte und damit ein guter Mensch ist.

 

·         Ab wann wird aus einem geistigen Impuls das starre Gebäude einer Ideologie, in dem es einerseits um Besitzstandswahrung und andererseits um formale Bekenntnisse und Einhaltung von Normen und Glaubenssätzen geht. (s.o.) Inwieweit wird die  Tatsache, dass Rudolf Steiner seine landwirtschaftlichen Impulse  vor ostdeutschen Großgrundbesitzern vorgetragen hat, schon fast als Totschlagargument verwendet, um zu „beweisen“, dass biodynamisch auch ganz groß geht? Wenn man bedenkt, wann er diese Vorträge gehalten hat, vor 100 Jahren, kurz nach den Massakern des  1. Weltkrieges,  als das Land sich noch lange nicht von den kriegsbedingten Verwüstungen erholt hatte, dann wird kein Kleinbauer oder Landarbeiter in der Lage gewesen sein, wenn er denn überlebt hat, Rudolf  Steiner zu Vorträgen einzuladen.

 

 ·         Ab wann erlöschen echte Mitbestimmungsrechte  – wenn Entscheidungen des Vorstands  schon zur quasi – Mitgliedschaft führen, wenn im Demeter e.V. keine  Bauern mehr Mitglied sind, sie formal aber   50 % der Delegierten stellen dürfen, was schon strukturell jegliche Mehrheitsverhältnisse für die Bauern ausschließt ? Sind die Bauern wieder das „Bauernopfer“ in einer Struktur, in der die intellektuellen Eliten das Sagen haben – was nicht unbedingt eine dem Lebendigen verbundene Intelligenz voraussetzt  - mit der Ironie der Geschichte, dass die meisten Bauern im Demeter-Verband eine erdverbundene und lebenspraktische philosophische Intelligenz besitzen, die getragen wird von dem täglichen Erleben natürlicher  Wachstums- und Kreislaufprozesse, die  in einem überbordenden Überbau sehr schnell verloren geht – man schaue auf das Organigramm auf der Rückseite der „Lebendigen Erde“ –  die Bauern, (die „Erzeuger“  - welch wertschätzende Wortschöpfung!)  die Grundlage des ganzen Verbandes,  die, die das Wichtigste von allem im Einklang mit der Natur hervorbringen sollen – Lebensmittel, die ernähren – scheinen kaum noch eine Rolle zu spielen.

 

 ·         Was sagt unsere Beitragsordnung über unsere Wertschätzung kleinbäuerlicher Arbeit aus, wenn sie so aufgebaut ist, wie unsere: Beim Flächenfaktor  bis 10 ha   1,00 Punkt  je Hektar;  bis 2.000ha  0,1 Punkt und ab 2.000 ha  0 Punkte je Hektar. In der Folge werden  große und sehr große Betriebe bevorteilt, wie aber auch bereits bei den Agrarsubventionen.

 

Das müssen wir ändern.

 

·         Was verändert sich in unserem Verband, wenn zunehmend nichtlandwirtschaftliches Kapital in die Demeter-Landwirtschaft kommt, Gewinnabführungsklauseln das Geld aus der Region, in der landwirtschaftlich gewirtschaftet wird, sofort abschöpfen und mit den Gewinnen aus dem Handel in einem anderen Bundesland verrechnen.  Wie verändern Agrarholdingstrukturen den Umgang mit dem Land, die Strukturen der Dörfer, die politischen Mitbestimmungsrechte – mit der Tendenz, Geld regiert die Welt. Wollen wir das? Wie gestalten wir die Welt mit, wenn wir glauben, dass wir eine „Aufnahmepflicht“ haben für Betriebe, die sich nachweislich biodynamisch korrekt verhalten, weil in unserer Satzung keine Klauseln für Betriebsgrößen, Wirtschaftsformen etc. enthalten sind.  Müssen wir uns unserer eigenen Satzung wie einem unvermeidlichen Naturgesetz beugen?  Oder ist es nicht dringend geboten, diese Satzung zu verändern?

 

 ·         Wie tragbar sind zwischenmenschliche Vereinbarungen zwischen LAG`s und aufzunehmenden Betriebseignern / -leitern für gemeinsam zu gestaltende Wachstums- und Entwicklungsprozesse, Zusicherungen für ein faires Marktverhalten usw. Was passiert, wenn die nächste Generation den Betrieb übernimmt mit diesen persönlich getroffenen Vereinbarungen. Wieviel zählt in der Markendebatte dieser Vorschuss an Vertrauen? (Hintergrund ist der Gedanke, dass wir, wenn wir die Hofgut Eichigt GmbH in unserer LAG aufnehmen, diesen Prozess mitgestalten können, über Wirtschaftsverbünde, Runde Tische faire Preise aushandeln können usw. Herr Greim ist 68 Jahre,  sein Geschäftsführer 64 Jahre alt. Beide sind jetzt unsere Gesprächspartner und werden absehbar in Rente gehen. Es scheint so gut wie sicher, dass Hofgut Eichigt GmbH bei Demeter International oder Demeter Tschechien problemlos aufgenommen werden wird, wenn wir den Antrag ablehnen...)

 

 ·         Wie  glaubwürdig bleibt der Verband / welchen Gesichtsverlust verkraftet die Marke, wenn der Verband sich spaltet und biodynamisch arbeitende Kleinbauern einen eigenen Verband bilden und sich der weltweiten Kleinbauernbewegung  anschließen ? Demeter bedeutet eben nicht automatisch biodynamisch. Der Verlust des selbst ernannten Premiumstandards – eine Zuschreibung aus der Logik der kapitalistischen Warenwelt - lässt die Marke eventuell  tiefer stürzen als andere. Es gibt inzwischen Landwirtschaftsbetriebe, die je nach Bedarf des Großhandels ihre Waren mit den entsprechenden Biomarken austauschbar labeln.

 

·         Wie naturnah ist Landwirtschaft überhaupt? Monokulturen, unbedeckter Erdboden, permanent einjährige Kulturen entsprechen nicht den natürlichen Mustern der ökologischen Kreisläufe. Landwirtschaft ist hier immer ein unnatürlicher Eingriff, bei dem es darum geht, die Balance zu halten, um nicht zu viel zu stören / zerstören und im Einklang mit den natürlichen Prozessen zu wirtschaften. Auch der vordergründige Anbau von wenigen Getreidesorten hat seine Geschichte, die deutlich macht, dass der Anbau von schwer verdaulichen Süßgräsern vielleicht nicht die Zukunft sein wird. Das betrifft auch die biodynamische  Landwirtschaft. Sie ist nicht die einzig zukunftsfähige Form der Landwirtschaft,  Permakulturen, Waldgärten und Agroforstsysteme sind neben vielen indigenen Landbaukulturen weltweit ebenso zukunftsfähig, wir können hier sehr viel voneinander lernen. Auch hier ist Bescheidenheit angesagt. Wir haben uns für diesen landwirtschaftlichen Weg entschieden, den wir  jenseits von Dogmen offen halten sollten für Veränderungen, die die Lebendigkeit der Welt ausmachen. Die landwirtschaftliche Geschichte der Menschheit, die Sesshaftwerdung, macht einen winzigen Bruchteil der menschlichen Geschichte aus.

 

So transportiert die Schöpfungsgeschichte, die biblischen Bücher Mose die Erfahrungen nomadischer Völker im Prozess der Sesshaftwerdung und den Versuch, im Rückblick zu  verstehen, was in diesen Jahrtausenden passiert ist. Hüten, in Kultur nehmen und ehren sind so zu einem göttlichen Auftrag geworden.  Dabei sollte Kain der Hüter seines Bruders sein und dem Land der Geburt und der Erde verbunden bleiben.

 

Christina Wolff, Wolsier

 

Udo Schäfer, Wolsier

 

Kai-Holger Dech, Hohennauen

 

 

 

 

Kündigungsschreiben vom 20.06.2021

 

Liebe Frau Schacht,

 

 hiermit kündige ich meine Mitgliedschaft fristgemäß zum 31.12.2021.

 

Die Entwicklungen des Demeter-Verbandes in den vergangenen zwei Jahren erfüllen uns mit großer Sorge um die Zukunft bäuerlicher und gärtnerischer Betriebe, welche durch die auf den Weg gebrachten Änderungen in den Bereichen Marketing, Kommunikation, Organisation, Richtlinien, Vertrieb sowie Wahrnehmung, Kompetenzen und Rechte der Mitglieder nicht mehr unserem Leitbild und unseren Idealen einer Landwirtschaft entspricht, die von Bauern und Gärtnern in langer Zeit entwickelt und getragen wurde und nun durch markt- und markenzeichenrelevante Prioritäten ersetzt wird und dabei der biodynamische Impuls weiter in den Hintergrund gedrängt wird.

 

Damit wird auch DEMETER als Premium-Marke wertlos und austauschbar, weil sie sich dem Handel genauso  prostituiert, wie die konventionelle Landwirtschaft und dies wird zweifellos nicht ohne ökonomische und soziale Folgen für die Betriebe bleiben. So geht es uns nicht darum, die steigende Nachfrage  und die Supermarktregale der großen Handelsketten zu bedienen, als vielmehr mit Leib und Seele erzeugte Lebensmittel (in ihrem Wortsinn "Mittel zum Leben") als solche einem Kreis bewußter Konsumenten anzubieten und dies unabhängig davon, ob wir damit den "wachsenden Markt" befriedigen können.

 

Wir möchten weiter an den Fragen der biodynamischen Landwitschaft arbeiten und freuen uns, dass wir dazu die Möglichkeiten des intensiven Austausches mit anderen Betrieben in der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft für biodynamischen Landbau Berlin-Brandenburg haben, wo es nicht um Marktanteile, Warenzeichen-nutzung oder Zertifizierung geht.

 

Wir danken allen besonderen Menschen, die wir in den Jahren unserer Mitgliedschaft kennlernen durften und die unseren Weg gekreuzt oder begleitet haben.

 

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Udo Schäfer & Christina Wolff

 


 

 

 

 

Kräuter und Gemüse-Jungpflanzen      aus biologisch-dynamischem Anbau